In Zeiten von Lifestyle-Bloggern und Influencern muss das Markenimage überzeugen. Das weiß auch Rico Hausmann, Gründer von Gymbassador, und verfolgt diesen Ansatz sehr konsequent. So kommt seine Sportbekleidung nicht nur optisch gut an, sie setzt auch ein Zeichen für Innovation und Nachhaltigkeit in der Textilproduktion. Wir haben mit dem Gründer über die Anfänge und die Ziele seiner Arbeit gesprochen.

Fairplay geht vor: innovative Sportbekleidung aus Niedersachsen

Ein Sport-Label aus dem niedersächsischen Osterode? Eine Rarität! Gymbassador-Gründer Rico betreibt im Harz Pionierarbeit aus Leidenschaft und setzt mit seinen Produkten ein Statement: „Meine Idee war und ist es, eine Marke zu erschaffen, die proaktiv die Art und Weise verbessert, wie Sportbekleidung entsteht.“ Das Prinzip kommt gut an in Zeiten von Fridays for Future. Immer wieder wird kritisiert, dass führende Marken ihre Kleidung in Ländern wie Bangladesch, Äthiopien & Co. fertigen lassen, wo teils minderjährige Näher*innen oft unterirdisch bezahlt werden. Keine Option für Rico – er will, dass es fair zugeht.

Die Lösung: „Hier im heimischen Niedersachsen entwickle ich mit Gymbassador meine eigene Sportbekleidung aus 3D-Strick-Techniken. Das heißt, bei mir läuft alles zunehmend automatisiert und digitalisiert ab. Die Serienfertigung kann ich innerhalb Europas – derzeit in Portugal – durchführen.“ Zudem wird jede Menge Abfall eingespart, denn es gibt kaum Verschnitt. Running- und Fitness-Fans kommt außerdem zu Gute, dass die Kleidungsstücke federleicht sind und kaum Nähte aufweisen – nichts drückt oder scheuert.

Gründergeist: Zwischen Langstrecke und Sprint

Die Leidenschaft für Sportbekleidung begleitet Rico schon sein Leben lang: Wann immer er kann, kratzt er als Teenager sein Taschengeld zusammen, um sich die neuesten Produkte der großen Marken zu kaufen. Er liebt Fußball, Fitness und geht gerne laufen. Mit der Zeit will er die Textilindustrie besser verstehen, liest sich ein und besucht erste Messen. Während seines Studiums kommt ihm schließlich die Idee zu Gymbassador. Rico will sich von den Missständen großer Marken abgrenzen und digitale Herstellungs- und Vermarktungsoptionen forcieren – und zögert nicht lange: „Neben den Vorlesungen habe ich die Gründungsformalitäten vorbereitet, den Online-Shop gebaut, Marketingmaterialien erstellt, potenzielle Fertigungsstätten besichtigt und erste Produktentwicklungen begonnen – eben alles, was bei einer Unternehmensgründung so anfällt.“ Nach seinem Masterstudium in Marketing und Vertrieb ermöglicht ihm seine sorgfältige Planung einen fließenden Übergang: Rico nimmt all sein angespartes Geld in die Hand, beantragt einen KFW-Gründerkredit und legt los ­– mit gerade einmal 25 Jahren.

Im Juli 2018 erfolgte dann der eigentliche Markteintritt von Gymbassador. Rico weiß, er muss jetzt vor allem seine Message transportieren. Und tatsächlich: Die Leute kaufen seine innovative und nachhaltige Sportbekleidung. Das Arbeitsaufkommen steigt, mit Hilfe der Familie packt er nach langen Arbeitstagen noch Kisten, versendet sie deutschland- und österreichweit und pflegt die Internetauftritte der Marke penibel. „Die gründliche Vorbereitung hat sich gelohnt!“, sagt Rico stolz.

Gymbassador: Wie ein Sport-Label aus dem Harz nachhaltig überzeugt
Yannick Simper mit Lea Schütte für Gymbassador.

„Es muss nicht immer Berlin sein!“

Was man dem professionellen Markenauftritt samt Influencer-Kampagnen absolut nicht ansieht: Noch heute ist Gymbassador eine One-Man-Show. Mittlerweile hat Rico allerdings – neben der Serienfertigung – einen Teil der Logistik ausgegliedert, einen Steuerberater an der Hand und will nun nach und nach ein Team aufbauen. Neben dem Online-Vertrieb fragen die ersten Geschäftskunden beim Jungunternehmer an, in einigen Fitnessstudios und regionalen Läden hängen seine Produkte im Schaufenster. „Die Nachfrage wird zunehmend größer, sodass ich möglichst schnell das Produktportfolio erweitern und den Fokus auf Marketing, Vertrieb und Brandbuilding noch einmal verstärken will“, freut sich Rico.

Bis heute hat er keine weiteren Fördermittel in Anspruch genommen und alles organisch aufgebaut. Trotzdem weiß Rico: „Vor allem wenn man alleine gegründet hat, ist es hilfreich, Unterstützer an seiner Seite zu haben. Seit neustem bin ich beispielsweise mit Gymbassador im Startup-Accelerator der Orangery in Hildesheim. Wir wollen mit Gymbassador richtig durchstarten.“ Hier zeigt sich: Auch in Niedersachsen gibt es eine gut vernetzte Startup-Kultur und vor allem kürzere Entscheidungswege als in Startup-Hochburgen wie Berlin. Gründer erhalten strategisch wertvolle Hilfestellungen, Kontakte und die Möglichkeit zu pitchen.

Der richtige Ansporn und viel Disziplin

Und genau das will Rico nun intensiver tun, denn er ist auf der Suche nach Investoren, um die erfolgsversprechende Entwicklung zu beschleunigen. Dass die wenigsten sich vorstellen können, dass Gymbassador aus Niedersachsen oder gar der Harz-Region kommt, macht Rico stolz und spornt ihn an: „Den Standort möchte ich auf jeden Fall gerne halten und perspektivisch in der Region attraktive Arbeitsplätze schaffen! Niedersachsen muss sich nicht verstecken.“

Die Frage, ob Rico bei seinem hohen Engagement noch Zeit findet, selbst Sport zu machen, bejaht er mit einem Schmunzeln: „Die Zeit ist schon knapp, aber man muss sie sich einfach nehmen – genauso wie für eine gute Marketing- & Vertriebs-Strategie. Die ist das A und O für den Erfolg eines Unternehmens.“ Mutig zu sein und sich nicht von Zweiflern unterkriegen zu lassen, gehöre aber sicher auch dazu. Mit diesen Grundsätzen hat Rico Gymbassador erfolgreich in den Markt eingeführt und schon viele Menschen von einem sportlichen und nachhaltigen Lebensstil begeistert. Man darf gespannt sein, wie schnell die Message von Gymbassador von Niedersachsen aus die ganze Welt inspiriert. Wir nehmen an: in Bestzeit.

Auszeichnungen und Nominierungen

  • 1. Platz der Gründer-Bühne

 

(Bild Header: Dietrich Kühne mit Rico Hausmann für Gymbassador)