Was, wenn jedes Unternehmen seine eigenen Bauteile produzieren könnte – ohne Fabrik, ohne Fachpersonal, ohne lange Lieferzeiten? LBR Manufacturing aus Braunschweig baut genau dafür die Maschine: eine hochautomatisierte, kompakte Fräsmaschine, die industrielle Fertigung so zugänglich macht wie einen 3D-Drucker.

Das Problem steckt in der Lieferkette

Wer heute als Unternehmen selbst fertigen möchte, steht vor einer unangenehmen Wahl. Entweder man investiert enorme Summen in eigene Maschinen, Hallenflächen und ausgebildetes Fachpersonal – oder man gibt die Fertigung nach außen und nimmt hohe Stückkosten, lange Lieferzeiten und Abhängigkeiten von externen Zulieferern in Kauf. Ein Mittelweg existiert kaum.

Für Technologieunternehmen mit eigenen Entwicklungsabteilungen, für Forschungsinstitute und für kleine und mittlere Unternehmen bedeutet das: zu langsam, zu teuer, zu abhängig. Innovationsgeschwindigkeit leidet, wenn ein Prototyp erst durch externe Lieferketten wandern muss, bevor er getestet werden kann.

Gebaut von denen, die das Problem selbst kennen

Enno, Jan-Rickmer und Marcus haben das Problem nicht aus Studien – sie haben es am eigenen Leib erfahren. Alle drei waren Teil des Formula-Student-Teams der TU Braunschweig, dem studentischen Rennsportprojekt, bei dem Studierende eigene Rennwagen entwickeln und bauen. Wer dort auf Bauteile wartet, verliert das Rennen.

Die Antwort der drei war pragmatisch: Wenn es keine passende Maschine gibt, bauen wir eben eine. Was als Notlösung im Hochschulumfeld begann, wurde zur Geschäftsidee. Enno bringt Software- und Elektronik-Expertise aus seiner Zeit bei Volkswagen und mehreren Startups mit, Jan-Rickmer hat an der TU Braunschweig im Bereich Fertigungssysteme und Fräsen geforscht, Marcus kommt aus dem Produkt- und Prozessmanagement bei Volkswagen und verantwortet heute Geschäftsführung und Sales.

Erste Inbetriebnahme: nachts um 1 Uhr

Der Weg von der Idee zum Prototyp verlief denkbar unkonventionell. Die erste Version der Maschine entstand in Jan-Rickmers 35-Quadratmeter-Studentenwohnung. Drei PCs, zwei Werkbänke, die Fräse – und irgendwo dazwischen auch der Bewohner selbst. Die erste Inbetriebnahme fand nachts um 1 Uhr statt. Die Nachbar*innen klingelten – nicht um sich zu beschweren, sondern um sicherzugehen, dass noch alles in Ordnung ist.

„Wir wollen den Maschinenbau neu denken. Unsere Vision ist es, industrielle Fertigung zu demokratisieren – sodass jeder in wenigen Klicks, ohne lange Ausbildung, seine eigenen Teile produzieren kann.“

Marcus, Co-Founder und Geschäftsführer, LBR Manufacturing

Die Maschine, die sich selbst einrichtet

Das Herzstück von LBR Manufacturing ist eine kompakte, hochautomatisierte Fräsmaschine, die ohne Spezialkenntnisse bedienbar sein soll. Kein langes Einrichten, kein Fachpersonal, kein Maschinenraum nötig – die Idee ist, direkt aus dem Büro heraus produzieren zu können.

Der Ansatz ist bewusst das Gegenteil dessen, was traditionelle Maschinenbauer tun: keine größere Komplexität, keine weiteren Features für Fachleute – stattdessen radikale Vereinfachung für alle, die bisher keinen Zugang zur Fertigung hatten. Fräsen, so zugänglich wie ein Drucker.

Das Geschäftsmodell setzt zunächst auf On-Demand-Produktion, bei der Kund*innen direkt Bauteile bestellen können. Später folgen Vermietung und Verkauf der Maschinen selbst – mit einem Upselling-Modell, das sich an den tatsächlichen Bedarfen der Kund*innen orientiert.

Von der Studentenwohnung auf die Hannover Messe

Der Meilenstein, auf den das Team besonders stolz ist, kam schneller als erwartet. In nur drei Monate hat LBR Manufacturing seinen ersten Prototypen gebaut und auf der Hannover Messe präsentiert – am Stand des Landes Niedersachsen. Was als vage Vision begonnen hatte, stand plötzlich auf der größten Industriemesse der Welt.

Der Auftritt zahlte sich aus: Erste Industriekunden wurden gewonnen, die anschließend halfen, Investor*innen zu überzeugen. Seit rund einem Jahr produziert der Prototyp bereits reale Teile für Kund*innen aus Industrie und Forschung – ein Praxisbeweis, der weit über einen Demo-Aufbau hinausgeht.

„Bei jeder Design-Entscheidung fragen wir uns: Was will und braucht der Kunde wirklich – und was ist nur Feature um des Features willen?“

Enno, Co-Founder, LBR Manufacturing

Nächster Schritt: die Vorserienmaschine

LBR Manufacturing befindet sich aktuell zwischen Prototypen- und Markteintrittsphase. Als nächstes wird die erste Vorserienmaschine gebaut und an ausgewählte Pilotkunden ausgeliefert. Auf Basis dieser Erfahrungen soll 2026 der breite Markteintritt folgen.

Für den Weg dorthin sucht das Team gezielt nach Venture-Client-Partnerschaften: Unternehmen, die die Herausforderungen in der Fertigung aus eigener Erfahrung kennen und bereit sind, neue Wege gemeinsam zu erproben. Der Anspruch dabei bleibt derselbe wie in der Studentenwohnung: nicht reden, sondern bauen.

Weitere Informationen gibt es bei LBR Manufacturing.