Ein Navigationsgürtel, Sportmarketing und eine neuartige Therapie für Herzinsuffizienz – Dinge, bei denen sich die Gemeinsamkeiten auf den ersten Blick in Grenzen halten. Sie, oder vielmehr die Unternehmen hinter diesen Dingen, haben allerdings eins gemeinsam: Sie sind die DurchSTARTer 2017! Am 4.12.2017 wurden sie dafür von Wirtschaftsminister Dr. Bernd Althusmann ausgezeichnet. Wir nehmen die Preisverleihung zum Anlass und stellen hier noch einmal die Top-Ten-Nominierten des DurchSTARTers vor.

Locker aus der Hüfte zum Ziel

Auf Platz eins des DurchSTARTers 2017 landete das Osnabrücker Unternehmen feelspace. Die Idee der drei Gründerinnen, allesamt Neurowissenschaftlerinnen: Warum sollten wir unsere fünf Sinne nicht noch um einen weiteren ergänzen, zum Beispiel einen eingebauten Kompass? So entstand die Idee für den naviGürtel. Das Hilfsmittel wird wie ein gewöhnlicher Gürtel getragen und weist über Vibrationen an entsprechender Stelle die Richtung zum Ziel. Der Gürtel kann damit blinde Menschen bei der Wegfindung unterstützen aber auch Sehenden, beispielsweise Freizeitsportlern oder Touristen, bei der Orientierung auf unbekanntem Terrain helfen. Und da die Augen zum Navigieren nicht ständig am Smartphone kleben wird möglicherweise auch die eine oder andere Kollision mit Hindernissen oder anderen Smartphone-Nutzern vermieden.

Helden der Kreisliga

Auf Platz zwei folgt mit PG Medien eine Nordhorner Agentur für Kommunikation, Vereins- sowie Verbandsmarketing und Sponsoring. Die Gründer, Alexander Kroeze und Thomas Westhuis, starteten 2015 in einem überschaubaren Büro, hatten nach fünf Monaten bereits 8 Mitarbeiter und werden diese Zahl bald sogar verzehnfachen – eine beeindruckenden Bilanz. Zum Tagwerk der Agentur gehören neben Konzepten für Markenstrategien und -entwicklung auch Print-Designs, beispielsweise für Plakate und Dauerkarten. Eine ihrer beliebtesten und bekanntesten Marken ist gleichzeitig der Traum vieler Amateurfußballer: die Stickerfreunde. Welcher Freizeitkicker hat nicht schon einmal davon geträumt, das eigene Konterfei und all die bekannten Gesichter aus der Umkleidekabine in einem Sammelalbum wiederzufinden. Jeder, der in Kindertagen die Bilder der Lieblingsfußballer gesammelt hat, erinnert sich bestimmt noch an den Reiz des Sammelns und Tauschens. Und mal ehrlich: Den ein oder anderen aus der Truppe würde man manchmal doch gern eintauschen, oder?

Eine Herzensangelegenheit

Komplettiert wird das Siegertreppchen 2017 von Cardior Pharmaceuticals, einem Spin-off des MHH-Instituts für Molekulare und Translationale Therapeutische Strategien. Cardior konnte den Zusammenhang zwischen dem Auftreten eines bestimmten Moleküls und krankhaftem Herzwachstum nachweisen und so ein neues Therapieprinzip zur Behandlung von Herzinsuffizienz entwickeln. Es entstand ein spezieller Hemmstoff, der das Herzwachstum stoppt und sogar umkehrt. Die kardiale Funktion wird wiederhergestellt und die Prognose eines Patienten dadurch deutlich verbessert. Dass der Stellenwert des Projekts erkannt wurde, konnte Cardior bereits 2015 unter Beweis stellen. Damals sammelten sie in einer erfolgreichen Finanzierungsrunde über 15 Millionen Euro das größte Investment der letzten Jahre in ein deutsches Start-up ein.

Weg von den Müllbergen

Das Projekt von Michael Albert hört auf den klangvollen Namen Lola – der Loseladen. Das Geschäft am hannoveraner Stephansplatz hat sich der „Zero-Waste-Philosophie“ verschrieben und verkauft ausschließlich lose, unverpackte Lebensmittel. Wer mit Eimer, Glas, Flasche oder Tasche vorbeikommt, findet allerhand unverpackte Lebensmittel und Produkte des täglichen Bedarfs zum Abfüllen vor. Mit seiner Gründungsidee will Michael Albert einen Beitrag dazu leisten, uns zumindest etwas vom unglücklichen Weg unseres heutigen Konsumverhaltens abzubringen. Dieses Ziel verfolgt er mit voller Überzeugung und hält die Abfallvermeidungs-Flagge hoch, während andere ähnlich Projekte schon wieder verschwunden sind. Sein Engagement zeigt sich auch in der Vermarktung seiner Idee, bei der er sich längst jenseits der traditionellen Werbung bewegt. So hält er Vorträge zu Themen wie Fasten oder beteiligt sich an der europäischen Woche zur Abfallvermeidung.

Glas statt Tonne

Hannover gegen Braunschweig – eine Rivalität die für den ein oder anderen nahezu sakrale Züge annimmt. An der Abfallbekämpfungs-Front existieren diese Verwerfungen allerdings scheinbar nicht, was Wunderbar Unverpackt zeigt. Auch der Laden in Braunschweig setzt auf den Verkauf unverpackter Lebensmittel und Nicht-Lebensmittel – regional, größtenteils in Bio-Qualität und komplett ohne Plastik-Einweg-Verpackungen. Denise Gunkelmann, Gründerin des Ladens, hat den Abfallmassen mit ihrer Gründungsidee den Kampf angesagt, um eine nachhaltige, ressourcenschonende und ökologische Alternative zu konventionellen Einkaufsmöglichkeiten zu bieten. Die Kunden füllen sich ihre Einkäufe aus großen durchsichtigen Spendern, sogenannten Bulk-Bins, in ihre eigenen Behälter ab. Man muss nicht voll im Recycling-Thema stecken, um ermessen zu können, wie die Plastikmüll-Ersparnis in konventionellen Supermärkten aussähe, würde man diesem Prinzip folgen.

Wie ist das Wasser heute?

Lilian Labs aus Braunschweig machen nicht nur Fans von Aquarien glücklich. Das Unternehmen greift mit der Wasseranalyse ein Feld auf, in dem es seit Jahren keine wirklich bahnbrechende Neuerung gab. Mit ihrem namensgebenden Messgerät „LILIAN“ lässt sich Wasser erstmals vollautomatisch analysieren und das innerhalb von wenigen Sekunden. Die Daten werden anschließend auf das Smartphone übertragen und zusätzlich in einer Cloud gespeichert. Die zeitaufwändige Prozedur der Wasseranalyse wird deutlich schlanker. Die potenzielle Fangemeinde von LILIAN ist jedenfalls groß: Neben den besagten Aquaristen werden sich sicherlich auch Schwimmbäder, Landwirte und Industrieunternehmen über die Zeit- und Aufwandsersparnis freuen.

Carsharing im Unternehmen

Bei e2Work verfolgt man einen neuartigen Ansatz, um das Thema Mobilität nachhaltiger zu gestalten. Das Unternehmen aus Hildesheim will eine Verbindung aus Carsharing und E-Mobilität zu konkurrenzfähigen Preisen anbieten. Entstanden ist das Konzept an der Universität Hildesheim im Rahmen des Forschungsprojekts „Schaufenster Elektromobilität“ unter der Federführung von Prof. Dr. habil. Helmut Lessing.

Im Gegensatz zu gewöhnlichen Anbietern, bei denen der Fuhrpark einer unbekannten Zahl potenzieller Kunden zur Verfügung gestellt wird, findet das Carsharing bei e2work innerhalb eines Unternehmens statt. Eine feste Gruppe von Mitarbeitern und ihr Unternehmen, die „Zelle“, teilen sich dabei die Fahrzeuge des Fuhrparks. Es entsteht eine Win-Win-Situation: Die Mitarbeiter können die Fahrzeuge in der Freizeit und auf dem Weg zur Arbeit nutzen und das Unternehmen kann während der Arbeitszeiten darauf zurückgreifen – ein klassischer Dienstwagen sozusagen. Außerdem bleiben die Kosten durch den bekannten Kundenkreis übersichtlich und durch das Sharing-Prinzip für beide Seiten im Rahmen. Auch in der Praxis ist das Modell zeitgemäß aufgestellt: Gebucht wird ein Fahrzeug über ein zentrales Buchungsportal samt App, mit der das Fahrzeug auch geöffnet wird. Wer also schon immer günstig elektrisch fahren oder seinen Fuhrpark nachhaltiger gestalten wollte, sollte bei e2work vorbeischauen.

Was der Bauer nicht kennt, erfindet er eben

Man stelle sich eine paar Herren vor, die sich bereits aus der Buddelkiste kennen und sich im weiteren Leben dem Thema Nachhaltigkeit verschrieben haben. Aus einer solch vielversprechenden Basis musste einfach eine Gründung im Bereich der erneuerbaren Energien entstehen. Genau das dachten sich die Gründer von LiPRO Energy aus Hude wohl auch.

Im Jahr 2012 kam Jonas Zimmermann die Idee, den elterlichen Hof dezentral mithilfe erneuerbarer Energien zu versorgen. Eine entsprechend marktgängige Lösung suchte er allerdings vergebens. Und so entschied sich der leidenschaftliche Tüftler im Rahmen seiner Masterthesis (Maschinenbau) eine eigene Lösung zu entwickeln – gemeinsam mit seinen Sandkastenfreunden Julian Fintelmann und Frederik Köster. Das Ergebnis: ein Holzkraftwerk, das mit geringwertigen Bio-Brennstoffen, wie Hackschnitzeln oder Lebensmittelresten, wartungsarm und betriebssicher funktioniert. Mittlerweile fungieren die drei Freunde als Gesellschafter von LiPRO Energy und vertreiben das Kraftwerk erfolgreich. Und der elterliche Hof? Der wird seit 2014 vom Prototypen des Holzkraftwerks mit Nahwärme versorgt.

Es gibt nur eine Erde

In den letzten Jahren haben Technologien aus dem Bereich Virtual und Augmented Reality richtig Fahrt aufgenommen. Was aber teilweise noch fehlt, sind Anwendungsbeispiele aus der Praxis. Dass man über die Eindrücke aus virtuellen Welten sogar einen Beitrag zur Rettung unseres Planeten leisten kann, zeigt „Saving Planet A“, ein Virtual-Reality-Erlebnis, das die Komplexität des Klimawandels hautnah aufzeigen will.

Entstanden ist das Projekt im Rahmen einer Abschlussarbeit im Bereich Geografiedidaktik. Carina Mentrup, die Schöpferin von Saving Planet A, hat sich in ihrer Masterthesis mit neuartigen Methoden für die Bildung im Bereich nachhaltiger Entwicklung beschäftigt. Daraus hervorgegangen ist die Idee, Virtual Reality einzusetzen, um den Nutzern die Auswirkungen des Klimawandels auf das Ökosystem und die Individuen unseres Planeten zu zeigen. Ein erster Prototyp mit dem Titel „Mikroplastik in den Ozeanen“ entstand 2016 im Rahmen der HACKVENTION in Hannover, wo er auch gleich zum „Best Prototype“ gekürt wurde. Ihre Idee hat die Gründerin mittlerweile sogar vor den Vereinten Nationen präsentiert und damit den Sprung auf die große Bühne geschafft.

Stein um Stein zum Wunschprojekt

Mehr Vertrauen in IT-Projekte und mehr Transparenz für den Kunden lautet das Ziel von Julia Schwab, Gründerin von simficient aus Hannover. Daraus entstanden ist ein eher ungewöhnliches Konzept zur Angebotserstellung und Projektfinanzierung, bei dem Kunden die Kosten für ihre Projekte selbst kalkulieren. Möglich wird das Ganze durch Prozessautomatisierung, bei der rund 80 Prozent aller Anforderungen durch vorgefertigte Bausteine abgebildet werden können, die zudem alle eine vorab bekannte Implementierungszeit besitzen. So wird jedes Angebot für den Kunden transparent und überschaubar.

Das Modell von simficient wendet sich damit gegen die oft gängige Praxis, das Kundebudget voll auszunutzen oder im Anschluss an günstige Lockangebote bei Pilotprojekten teure Folgeprojekte zu berechnen – eine sehr sozialer Gedanke. Diese Einstellung spiegelt sich auch in der Unternehmensführung wieder, bei der die Gründerin auf Nachhaltigkeit und Vertrauen setzt. Mitarbeiter werden am Unternehmensgewinn beteiligt und auch das Gehalt steigt abhängig von Erhöhung des Unternehmensgewinns. So macht simficient die IT-Projektwelt Stein um Stein ein kleines bisschen besser.

AInparkhilfe

Jeder kennt das Problem: Man erreicht nach langer Fahrt das Ziel und muss sich dann noch mit der Parkplatzsuche befassen – gerade in der Stadt ein häufiges Ärgernis. Das siebenköpfige braunschweiger Gründerteam von devinity hat sich genau dieses Problems angenommen und das Ergebnis trägt den Namen AIPark. Über den webbasierten Informationsdienst oder die dazugehörige App können Autofahrer schon vor der Abfahrt die Parkplatzsituation am Zielort nachschauen. Möglich wird die Vorhersage durch neuronale Netze, die hochauflösende Verkehrs-, Infrastruktur sowie Sozialdaten analysieren und daraus präzise Auslastungsmodelle für mehr als 60 Millionen Stellplätze in ganz Deutschland erstellen. Das Ergebnis: Die Parkplatzsuche entfällt, die Umwelt wird geschont und der ein oder andere Nervenzusammenbruch vermieden.

Niedersachsens neue Start-up-Plattform

Das waren die Top Ten Nominierten des diesjährigen DurchSTARTers. Die Vielfältigkeit der Projekte allein in diesem kleinen Ausschnitt zeigt, wie vielseitig Niedersachsens Start-up-Ökosystem aufgestellt ist. Wie sieht es darüber hinaus aus? Was mache ich, wenn ich mich über Start-ups in Niedersachsen informieren will? Wo bekomme ich einen Überblick über die niedersächsische Start-up-Landschaft.

Neben der Wahl des DurchSTARTers wurde am 4.12.2017 auch startup.nds.de, die neue Start-up-Plattform für Niedersachsen, gelauncht. Neben einem Einblick in die niedersächsische Start-up-Szene finden Besucher hier eine Plattform für die Online-Kommunikation auf Landesebene. Schauen Sie auch mal bei der integrierten Niedersachsen Start-up-Map vorbei. Dort bekommen Sie einen umfassenden Überblick niedersächsischer Start-ups und Start-up-Hotspots.

 

Bilder der DurchSTARTer Preisverleihung:

 

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