Innovative Ideen zu finanzieren ist für viele Startups eine der größten Herausforderungen. Besonders, wenn es – wie bei nachhaltigen Geschäftsmodellen – nicht nur um schnelle Gewinne, sondern um langfristige Wirkung geht. Neben klassischen Investor*innen, Business Angels oder Förderprogrammen etabliert sich in den letzten Jahren zunehmend ein weiterer Finanzierungsweg: Crowdinvesting.

Was ist Crowdinvesting?

Beim Crowdinvesting schließen sich viele Privatpersonen zusammen, um gemeinsam in junge Unternehmen zu investieren. Über digitale Plattformen wie FunderNation, Companisto oder Seedmatch können sie schon mit kleinen Beträgen – oft ab 100 Euro – Kapital bereitstellen. Im Gegenzug erhalten sie Anteile oder partizipieren über Nachrangdarlehen am wirtschaftlichen Erfolg des Startups.

Das Prinzip ähnelt dem Crowdfunding, zielt jedoch nicht auf die Vorfinanzierung einzelner Produkte, sondern auf eine direkte Unternehmensbeteiligung ab. Für Startups kann Crowdinvesting daher eine flexible Alternative sein, um Kapital für Wachstum, Markteintritt oder neue Produktlinien zu gewinnen – ohne Anteile an große Venture-Capital-Fonds abzugeben.

Warum Crowdinvesting für Startups interessant ist

  • Finanzierung & Sichtbarkeit: Neben Kapital profitieren Startups von öffentlicher Aufmerksamkeit. Die Crowd wird zur Community und zum Multiplikator.

  • Markttest & Validierung: Eine erfolgreiche Kampagne signalisiert Nachfrage und Vertrauen in das Geschäftsmodell.

  • Unabhängigkeit: Crowdinvesting kann als Brücke zwischen Fördermitteln und klassischen Investments dienen.

  • Transparenz: Plattformen prüfen Geschäftspläne und stellen relevante Informationen bereit – auch für Anleger*innen ein Pluspunkt.

Gleichzeitig gilt: Crowdinvesting ist keine risikofreie Anlageform. Der Erwerb einer solchen Vermögensanlage ist mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals führen. Der in Aussicht gestellte Ertrag ist nicht gewährleistet und kann auch niedriger ausfallen.

Aktuelles Beispiel aus Niedersachsen: eco:fibr

Wie Crowdinvesting in der Praxis aussieht, zeigt eco:fibr aus Hannover. Das Startup entwickelt nachhaltige Zellstoffe aus Ananaspflanzen – einem bisher ungenutzten Abfallstrom der Landwirtschaft. Statt verbrannt zu werden, werden die Pflanzenreste umweltschonend zu wertvollem Rohstoff für die Papier- und Verpackungsindustrie weiterverarbeitet.

Mit einer digitalen Finanzierungsrunde auf FunderNation will das Team um Merit Ulmer-Kasak, Michelle Spitzer und Julian Kolbeck bis zu 600.000 Euro einwerben, um den Markteintritt zu finanzieren. Gemeinsam mit der fiber-rec GmbH sollen erstmals größere Mengen im Tonnenmaßstab produziert werden. Merit sagt dazu: „Mit dem Kapital aus dieser Finanzierungsrunde können wir den Markteintritt finanzieren und großvolumige Abnahmeverträge sichern.“

Langfristig plant eco:fibr den Aufbau einer eigenen Anlage in Costa Rica – direkt dort, wo die Ananaspflanzenreste anfallen. Von Hannover aus soll künftig die Forschung, Entwicklung und der Vertrieb für alternative Rohstoffe gesteuert werden.

eco:fibr zeigt exemplarisch, wie Crowdinvesting dazu beitragen kann, nachhaltige Innovationen aus Niedersachsen auf den Markt zu bringen und gleichzeitig Bürger*innen aktiv am Erfolg teilhaben zu lassen.

Mehr Informationen zur laufenden Runde und eine Möglichkeit zur Beteiligung an eco:fibr gibt es hier.

Gruppenbild Team eco:fibr
v.l.n.r.: Susan Miklaw, Julian Kolbeck, Merit Ulmer-Kasak, Michelle Spitzer, Niklas Tegtmeier